Haben Sie schon einmal einen Patienten behandelt, der kurz darauf mit denselben Beschwerden wiederkam? Und dann noch einmal? Und bei dem nach jeder Behandlung die Symptome für eine Weile nachließen – aber nie wirklich verschwanden?

Prof. Dr. Erich Wühr, einer der Referenten der ICM–Yang Sheng Coach-Ausbildung, erklärt in einem kurzen Video, warum das so ist. Er nennt es die Rucksack-Metapher – und sie beschreibt den entscheidenden Unterschied zwischen akuten und chronischen Erkrankungen.

Akute Erkrankungen: Ein Ereignis, eine Behandlung, eine Heilung

Um die Rucksack-Metapher zu verstehen, lohnt es sich zunächst, den Unterschied zwischen akuten und chronischen Erkrankungen klar zu fassen.

Bei akuten Erkrankungen steht am Anfang ein konkretes Ereignis: ein Unfall, eine Infektion, ein traumatisches Geschehen. Prof. Dr. Wühr beschreibt im Video das Beispiel eines jungen Mannes, der beim Skifahren stürzt und sich den Rücken prellt. Er geht zum Arzt, wird untersucht und geröntgt, bekommt schmerzlindernde Medikamente, Injektionen und eine physiotherapeutische Verschreibung – und nach einer Woche ist er wieder schmerzfrei.

Das Muster ist klar: akutes Ereignis → akute Erkrankung → medizinische Versorgung → vollständige oder weitgehende Wiederherstellung. Die Methoden der Akutmedizin sind dafür gemacht – und sie funktionieren gut.

Chronische Erkrankungen: Der Rucksack läuft über

Chronische Erkrankungen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch andauernde belastende Lebensumstände und einen belastenden Lebensstil – über lange Zeit, oft unbemerkt.

Hier kommt die Rucksack-Metapher ins Spiel, so wie Prof. Dr. Wühr sie im Video erklärt:

Jeder Mensch trägt einen Rucksack mit sich. In diesem Rucksack sammeln sich im Laufe des Lebens belastende Lebensbedingungen und Lebensstilfehler an – große Brocken, kleine Brocken. Im Laufe von Jahren wird der Rucksack immer voller. Und irgendwann läuft er über. Dann sind wir chronisch krank.

Das Beispiel: Derselbe Patient, viele Jahre später

Prof. Dr. Wühr greift im Video den Skifahrer aus dem ersten Beispiel wieder auf. Die Verletzung von damals ist längst verheilt. Aber im Laufe der Jahre hat sich in seinem Rucksack einiges angesammelt: Ernährungsfehler und Bewegungsmangel – mit der Folge von Übergewicht – sowie chronischer Stress in Beruf und Familie.

Eines Tages wacht er mit Rückenschmerzen auf. Er denkt an seinen alten Skiunfall und geht wieder zum Arzt. Wieder wird er am Rücken untersucht und behandelt. Die Behandlung lindert zunächst die Schmerzen – aber weil sich an seinem Lebensstil nichts ändert, kommen die Beschwerden zurück. Die Behandlung wird wiederholt, die Schmerzen kehren wieder. Der Patient wird skeptisch. Er fragt im Bekanntenkreis nach dem besten Rückenspezialisten in der Region – und landet, so Prof. Dr. Wühr, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Operationstisch.

Das grundlegende Problem: Akutmedizin bei Lebensstilerkrankungen

Dieser Kreislauf – Behandlung, Besserung, Rückfall, Behandlung – ist laut Prof. Dr. Wühr das grundlegende Problem im heutigen Gesundheitswesen:

Mit den bewährten Methoden der Akutmedizin werden auch Lebensstilerkrankungen behandelt.

Das gilt nicht nur für die konventionelle Schulmedizin. Auch Naturheilverfahren und Behandlungen aus komplementären Medizinsystemen – einschließlich der Traditionellen Chinesischen Medizin – können Lebensstilerkrankungen nur symptomatisch lindern. Ursächlich können sie nur durch einen gesundheitsfördernden und krankheitsvermeidenden Lebensstil geheilt, gelindert oder vermieden werden.

Was steckt in den meisten Rucksäcken?

Prof. Dr. Wühr benennt im Video die typischen „großen Brocken“, die sich in den Rucksäcken von Menschen mit Lebensstilerkrankungen nahezu immer finden:

  • Ernährungsfehler
  • unzureichende Bewegung
  • unangemessener Umgang mit Stress
  • unzureichende Erholung und Regeneration, falsche Tagesrhythmik, mangelhafte Schlafhygiene
  • Suchtstoffe
  • Umweltbelastungen
  • Defizite in einer achtsamen, proaktiven, werteorientierten Lebensführung

Und wer legt diese Brocken in den Rucksack? Wir selbst – durch unseren Lebensstil und durch die Lebensumstände, die wir gestalten.

Die gute Nachricht: Kein Mensch muss perfekt sein

Prof. Dr. Wühr macht im Video einen Punkt, der besonders wichtig ist – auch für die Kommunikation mit Ihren Klienten:

Keiner von uns kann seinen Rucksack ein Leben lang vollständig leer halten. Das ist vollkommen illlusorisch. Wir müssen nicht das perfekte Leben führen. Wir sollten aber die Fehler, die wir machen, möglichst geringhalten und keine allzu großen Brocken in unseren Rucksack legen.

Und für bereits chronisch Erkrankte gilt: Es müssen nicht alle Brocken auf einmal raus. Ein, zwei, maximal drei große Veränderungen genügen oft, um Beschwerden spürbar zu lindern oder sogar ganz zu beseitigen.

Was folgt daraus für Ihre Arbeit als Therapeut?

Die Rucksack-Metapher ist nicht nur ein didaktisches Hilfsmittel – sie beschreibt eine strukturelle Lücke in der Gesundheitsversorgung. Es fehlt nicht an guten Behandlern. Es fehlt an qualifizierten Menschen, die Klienten dabei begleiten, ihren Rucksack dauerhaft leichter zu machen.

Genau das ist die Aufgabe des ICM–Yang Sheng Coachs: Menschen systematisch und nachhaltig zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil zu befähigen – nicht durch weitere symptomatische Behandlung, sondern durch Coaching, das an den eigentlichen Ursachen ansetzt.

Die ICM–Yang Sheng Coach-Ausbildung: Der systematische Weg dahin

Die Ausbildung vermittelt Ihnen das nötige Rüstzeug, um diese Coaching-Arbeit professionell zu leisten – auf Basis der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Yang Sheng, ergänzt durch moderne Kognitionspsychologie und Motivationspsychologie.

Sie lernen unter anderem:

  • Systematische Lebensstilanalyse: Individuelle Belastungssituationen Ihrer Klienten erfassen – die Befüllung ihres Rucksacks – mit dem Werkzeug der Chinesischen Syndromdiagnose
  • Kognitionspsychologischer Coaching-Prozess: Wissenschaftlich fundierte Methoden aus der Erwachsenenbildung und Motivationspsychologie für nachhaltige Verhaltensänderung
  • Praxiswerkzeuge: Chinesische Ernährungslehre, Qigong und Tuina als konkrete Instrumente für den Coaching-Alltag
  • Sofort anwendbares Coaching-Programm: Im Aufbauseminar erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Referenten-Team eine Blaupause zur Gewichtsregulation – direkt für Ihre eigene Praxis einsetzbar

Die drei Referenten

  • Prof. Dr. Erich Wühr – Zahnarzt, Osteopath, Heilpraktiker; Professor für Gesundheitsförderung und Prävention am Gesundheitscampus Bad Kötzting der TH Deggendorf; Mitbegründer und wissenschaftlicher Beirat der TCM-Klinik Bad Kötzting
  • Dr. Claudia Nichterl – Promovierte Ernährungswissenschaftlerin, Gründerin der Akademie für integrative Ernährung, Autorin von 31 Veröffentlichungen zur Chinesischen Ernährungslehre
  • Inken Stenger – Heilpraktikerin mit Ausbildung in Chinesischer Medizin, in eigener Praxis in Bad Kötzting; langjährige Erfahrung als Gesundheitscoach im IGM-Lebensstilprogramm SINOCUR

Nächster Ausbildungsstart: April 2026

  • Basisseminar: 09.–12. April 2026
  • Aufbauseminar: 09.–13. September 2026
  • Seminarort: Präventionszentrum SINOCUR in Bad Kötzting
  • Ausbildungsgebühr: 2.290 € inkl. MwSt. | Teilnehmerzahl limitiert

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